Ich möchte meinen geschätzten Lesern auch den guten Rat geben,
ganz besonders vorsichtig zu sein mit Liebesromanen, Schokolade
und ähnlichem Zündstoff, deren Gebrauch ich für sehr gefährlich halte.
Joseph Steel, in einer Ausgabe des Londoner „Spectators“, 1712
Schokolade ist mehr als ein Nahrungs- und Genussmittel. Schokolade ist wie kein anderes Lebensmittel ein moderner Mythos, der den klassischen und traditionellen Lebensmitteln in Sagen, Erzählungen und Geschichten, wie Brot, Wein und Honig, den Rang streitig zu machen scheint. Dies liegt zum einen daran, dass Schokolade in ihrer heutigen Gestalt ein sehr neuzeitliches Produkt ist, und erst sehr spät zu ihrer gegenwärtigen Verbreitung und Bedeutung gelangt ist. Zum anderen ist Schokolade aber auch eine Erscheinung eines modernen Lebensgefühls, das gerade in den letzten Jahren in verschiedenen Filmproduktionen Ausdruck findet. Alfonso Araus „Bittersüße Schokolade“, Sharon Maguires „Schokolade zum Frühstück“ und Lasse Hallströms „Chocolat“ sind nur drei der bekannteren Produktionen der letzten Jahre, die diese verführerische Süßigkeit thematisch aufgegriffen haben.
Schokolade fasziniert, verspricht Lust und Genuss, wird gelobt und verteufelt, verführt zum Naschen und plagt das Gewissen im selben Moment. Edel und exotisch, zugleich jedoch alltäglich und jederzeit verfügbar, ist Schokolade ein wesentlicher Bestandteil unserer Alltagskultur geworden. Von teuren einzigartigen Pralinees, kreiert von Chocolatiers, den Meistern ihres Fachs, bis zum industriellen Massenprodukt als Schokoriegel reicht die Angebotspalette, die beständig durch neue Kreationen und Kombinationen erweitert wird.
Kein Wunder also, dass auch die Kunst dieses Genussmittel für sich entdeckt hat und thematisch aufgreift. Als Material jedoch wurde die Schokolade, wie andere Lebensmittel auch, erst in den letzten Jahrzehnten in Museen und Galerien präsentiert. So hat sie beispielsweise unter der Bezeichnung „Eat-Art“ eine verbreitete Aufmerksamkeit gefunden.